1930: Große Ausstellungen

Zahleiche Ausstellungen, unter anderem in Moskau, Amsterdam, München, Hamburg, Köln und Berlin.

Anatoli Lunatscharski im Katalog der Ausstellung in Moskau

Masereel ist ein Objektivist und Realist, natürlich, ein besonderer. Er ist durchaus nicht verliebt in die Wirklichkeit. Vielleicht könnte er die Natur lieben, doch ist sie für ihn durch die Natur der sozialen Verhältnisse verdeckt, und diese haßt er. Deshalb ist er kein Realist, der die Dinge so darstellt, wie sie auf den ersten Blick erscheinen. Er ist ein Realist, der sich bestrebt, das innere Wesen dieser Dinge aufzudecken. Er sagt die Wahrheit über die sozialen Verhältnisse, welche hinter mehr oder weniger anständigen Gewändern verdeckt ist, und dann erweist sich diese Wahrheit als scharf und erregend. Masereel zeigt das Skelett der gesellschaftlichen Verhältnisse. Wir sehen ihre ganze Struktur. Mit Hilfe der Karikatur, mit Hilfe der Hyperbole enthüllt er die Anormalitäten der Gefühle, ähnlich derjenigen, die er selbst erlebt. (...) Masereel ist ein unübertroffener Meister der lakonischen Darstellung des kolossalen Inhalts der aufgebrochenen Wirklichkeit. (...) Aus dem weißen Raum ruft er schwarzen hervor, aus dem schwarzen weiße Gespenster, und ihr Spiel ist ein Zauberspiegel, in dem wir das ganze Leben sehen, welches zynisch über sich selbst erzählt.” (Dezennium 1. Zehn Jahre VEB Verlag der Kunst, Dresden 1962, S. 159/160). 


Frans Masereel vor seinem Haus in Equihen, 1930