1938: Neuauflage "Passion eines Menschen"

Neuauflage der "Passion eines Menschen" mit dem Text des Chorwerks "Jemand", das Hans Sahl in Anlehnung an die Holzschnitte für das 15. Schweizerische Arbeiter-Sängerfest in Zürich geschrieben hatte.


Aus der "Ansprache an die Deutschen"

“Deutsche Freunde! Ihr habt zwar fast alle Eure Gelehrten, Schriftsteller, Maler, Komponisten und Dichter eingebüßt. Aber Ihr dürft nicht glauben, sie hätten Euch verlassen. Sie alle haben nur einen Gedanken: wieder unter Euch zu sein, um sich herum die Masse Eurer starken und edlen Menschen zu fühlen und mit Euch zu neuen Taten auszuziehen, die die Liebe zur Menschheit und den Frieden auf Erden nur noch verstärken werden. Deutsche Freunde! Eure Rolle ist nicht ausgespielt! Nur ein Tor mag sich einbilden, man könne das Fortschreiten der Menschheit zu einer gerechteren und menschlicheren Zukunft aufhalten, die für alle das Leben schöner machen wird!” (“Deutsche Volkszeitung”, 3. Jg. Nr. 32 v. 7. August 1938, S. 7).

Aus dem Vorwort Hans Sahls zu "Jemand"

“Es ist (Masereel) gegeben, das, was gesagt werden muß, in einer Sprache zu sagen, die mit graphischen Mitteln die Kunst der Vereinfachung zu visionärer Größe erhebt. Diesen denkmalhaften Charakter im Wort und durch das Wort noch einmal aufklingen zu lassen, war das vornehmliche Ziel einer, zu bestimmten Zwecken und mit bestimmten Absichten erfolgen Nachdichtung. Maßgebend für die Form, die hierbei angewandt wurde, war der Gedanke, aus den drei Elementen: Sprache, Bild und Musik ein zeitgenössisches Oratorium zu schaffen, wobei die Holzschnitte auf eine Leinwand projiziert werden, während Sprecher und Chor in den Bildablauf eingreifen und jeweils die Situationen der Handlung interpretieren. So entstand, angeregt durch Bachsche und mittelalterliche Passionen, dieser Versuch einer europäischen Kantate, in der ein proletarisches Schicksal dargestellt wird: eines von vielen aus der mit Blut geschriebenen Passionsgeschichte unserer Tage."