1948: Ausstellung in Mannheim

Erste Ausstellung nach dem 2. Weltkrieg in Deutschland in der Galerie Egon Günther in Mannheim; das Album "Jeunesse" erscheint im Verlag Oprecht in Zürich; "Les Ages de la Vie" bei H. Lang in Bern.


Aus der "Einführung" Thomas Manns zu "Jeunesse"

"Masereels Darbietungen traten später in meinen Gesichtskreis - ich glaube erst nach dem Ersten Weltkrieg, als er in München ausstellte und ich mir von der Wand weg einen Holzschnitt großen Formats von ihm kaufte: ein einsames Liebespaar unter einer Laterne inmitten nächtiger Großstadt, eine Arbeit voller Stimmungskraft und Gefühl, die noch heute als Sopraporte den Eingang meines kalifornischen Arbeitszimmers schmückt. (...) Zu welchen Zahlen sein Ouvre jetzt angewachsen sein mag, da er achtundfünfzig geworden, habe ich versäumt zu fragen, als er mich neulich in Zürich besuchte - eine vertraute Erscheinung von vornherein, im wesentlichen der lange, klassenlose Geselle, der frei-menschliche Künstlertyp, als den er sich, einen wohlmeinenden Fremdling auf dieser Erde, oft gezeichnet hat. Er erzählte von seinem Zuhause, dem alten französischen Schloß bei Bordeaux, dem riesigen Saal, der ihm als Atelier dient, und wir unterhielten uns über die Folge neuer "bois", die hier vorgelegt wird. (...) Güte, die höchste, dem Geiste heute unentbehrlichste Eigenschaft, in welcher Liebe, Glaube und Hoffnung sich vereinigen, lehrt ihn, diesen naiven Trägern einer vielleicht doch helleren Zukunft ein unbefremdet-zutunlicher, mit ihr vergnügter und mit ihr ernster, weisender, mahnender Kamerad zu sein; und ich wüßte nicht, wie ich Sinn und Absicht der schönen, gütevollen Bilderfolge hier besser erläutern sollte, als mit den einfachen Worten, die er mir in einem Briefe schrieb: "`Jai voulu montrer, dans l`ensemble, le rôle que devait jouer la jeunesse dans notre société pourrie, ses droits, mais aussi ses devoirs."

Tagebucheinträge Max Beckmanns auf der Überfahrt nach New York vom 29. August bis zum 7. Juli 1947 über “Jeunesse”

“Mittwoch, 3. September 1947 Th. Mann zeigte mir Holzschnitte von Masereel, zu denen er ein Prèface schreibt. Ganz schön für 14jährige - und wegen der Lebenslüge - oh Gott. - Freitag, 5. September 1947 Morgens Th. Mann noch etwas aufgeklärt wegen Graphik. (...)” (Tagebücher 1940 bis 1950, München und Wien 1979, S. 217)

Herbert Sandberg: Der Formalismus und die neue Kunst

“Wir sind stolz, auf eine Tradition aufbauen zu können, die von Goya bis Masereel die großen Bewegungen des letzten Jahrzehnts darstellte, gleichzeitig wollen wir aber auch nicht auf die Poesie eines Paul Klee und Franz Marc verzichten, denn die Kunst darf nicht steril werden.” (Ausst. Kat., Weggefährten, Zeitgenossen, Berlin (DDR) 1979, S. 431)