1971: Achille-van-Acker-Preis

Verleihung des 1969 gestifteten Achille-van-Acker-Preises, der ihm für die künstlerische und soziale Bedeutung seines Werks zugesprochen wird.


Aus der Rede zur Verleihung des Preises am 10. Mai in Brügge

“Nützt es einem Künstler - sei er nun Maler, Grafiker, Bildhauer, Musiker, Schriftsteller oder Architekt - über seine Kunst, seine Arbeiten, Schöpfungen, Forschungen, Zweifel und Ungewißheiten, über seine Techniken und andere Dinge zu sprechen, die letztlich doch nur für ihn selbst gelten? Ich weiß es nicht. Mir scheint, die Werke dieser Künstler müssen für sich selbst sprechen. Tun sie das nicht, dann heißt das, dass sie nichts zu sagen haben und früher oder später in Vergessenheit geraten werden. Andererseits ist es angesichts der Verworrenheit unserer Zeit vielleicht möglich und notwendig, dass der Künstler Erläuterungen abgibt über das, was er versucht hat zu schaffen, und dass er erklärt, warum er - seinem Willen, seinem Verstand und fast immer auch seinem Instinkt folgend - dieses oder jenes getan hat. Ich glaube, dass die Malerei - wie die Musik und die Literatur - ein Ziel haben muß! Welches Ziel? Das Ziel, irgendeiner mehr oder weniger entwickelten oder verfeinerten Neigung unserer Gesellschaft zu schmeicheln? Nein! Wohl aber das Ziel, zum Nachdenken anzuregen, die Urteilskraft zu stärken, die rein physischen Reaktionen der Augen und des Bauches zu sublimieren und im kritischen oder lyrischen Sinn dahin zu führen, das Leben zu lieben.” (Ausst. Kat. Berlin 1979, S. 185)


Frans Masereel 1971 in Avignon.